Wieviel Bewegung braucht ein Hund oder auch - zu wenig Bewegun und ihre Folgen

19. Januar 2019 | erschienen in: / / |
Wir sind heut in Münster und solang gibt's hier ein wenig was zu lesen zum Thema "wenig Bewegung".

Habt ihr euch mal gefragt, ob ihr euren Hund ausreichend bewegt? Ich vermute mal, dass fast jeder Hundehalter, der an seinem Hund interessiert ist, sich damit schon befasst hat. Und ich glaub das trifft auf die meisten meiner Leser nichtmals annähernd zu. Doch kennen wir nicht auch Hunde, die zu wenig bekommen? Meist fallen einem bei solchen Hunden sofort Verhaltensauffälligkeiten ein. Aber natürlich hat Bewegungsmangel auch andere Folgen.

Gehen wir zuerst auf die Frage der Bewegung an sich ein. Also wieviel Bewegung braucht denn nun ein Hund?



Ganz schön schwere Frage und ich kann eines sagen. Eine pauschale Antwort darauf gibt es wohl kaum. Natürlich muss man jeden Hund individuell betrachten. Ein paar Ansätze, die eine Rolle spielen oder einen Richtwert kann man aber schon aufzählen.
Man sagt ein Hund soll mindestens dreimal am Tag für einen Spaziergang raus und insgesamt 1,5 bis 2 Stunden Bewegung haben. Eine Runde um den Block zum Pipi machen zählt da eher nicht als Spaziergang - und das obwohl ich das selbst auch praktiziere. Allerdings meist, wenn es den restlichen Tag viel Bewegung gab und ich das Gefühl habe eine gewisse Aktivität geboten zu haben. Und das finde ich total OK, auch wenn manch Experten das anders sehen und vorgeben, dass es immer mindestens 15-30 min am Stück sein sollen.

So spielt bei der Frage des "Wie lang und wieviel" vorallem das Alter eine Rolle.
Beim Welpen ist weniger mehr. Was einmal überansprucht oder auch kaputt ist, lässt sich schwer rückgängig machen. Und wer einmal ein gewisses Aktivitätslevel hat, gibt sich nachher schwer mit weniger zufrieden, sondern fordert eher mehr.
Bei alten Hunden kann es natürlich vorkommen, dass die Bewegung altersbedingt schon etwas eingeschränkt ist. Darauf nimmt man selbstverständlich Rücksicht. Aber wenn es geht, sollte ich dem Ganzen frühzeitig mit gymnastischen Übungen entgegenwirken. Wir alle wollen uns lange schmerzfrei bewegen können und müssen dafür ggf. etwas tun. Und das eben schon bevor es weh tut. Warum also sollte es bei Hunden anders sein? Das Energielevel nimmt ab - jedoch ist Bewegung in einem anderen Tempo weiterhin wichtig.

Doch was ist mit den Hunden in der Mitte. Ist dies nicht grade die wichtige, aktive Zeit. Die, die auch entscheidend ist, mit wievielen Muskeln, Körperbewusstsein, Fitness ein Hund nach und nach ins Alter geht. Die Hunde, die noch ein recht hohes Aktivitätslevel haben. Da muss man eine Balance finden. Nicht kaputt bewegen, aber auch nicht frühzeitig rosten lassen.


Getreu dem Motto : Wer rastet, der rostet!

Die Gesundheit ist der nächste Punkt. Kranke Hunde gibt es in allen Sparten. Was man mit diesen in welchem Maß machen kann, dazu sollte der Tierarzt oder eine gute Physio Auskunft geben können - je nachdem was der Hund hat.

Körperbau und Rasse. Diese zwei Dinge liegen meist nah beieinander. Huskys, Windhunde, Molosserartige - sie alle haben ihre körperlichen Eigenschaften, aber eben auch Aktivitätslevel. So legt der Husky oder der lauffreudige Dalmatiner einfach eine andere Strecke problemlos zurück als andere. Und würde man eine Bulldogge, die gleiche Strecke im gleichem Tempo laufen lassen? Wohl eher nicht. So sollte bei der Bewegungsfrage auch dies berücksichtigt werden. Was nicht heißt das ein kleiner Hund keinen Auslauf braucht und man sich mit einem Schäferhund dumm und dämlich läuft. Beide brauchen ihre Bewegung, nur eben nicht die gleiche Art. Die wenigsten Rassen sind als Gesellschaftshunde gezüchtet und für die Couch geboren. Kleine Hunde gleich wenig Bewegung ist also nicht die oberste Regel. Terrier-Besitzer werden wissen, wieviel Energie und welches Bewegungslevel so ein kleiner Racker hat.

Nebensächlich sind für mich Kondition und Abwechslung. Abwechslung ist für mich eher ein Ding der geistigen Auslastung. Jedoch muss ich beachten: Je mehr Abwechslung und neue Wege, desto mehr Sinne nutzt der Hund und desto anstrengender kann ein Spaziergang sein. Kondition muss eben aufgebaut werden. Ein Hund ohne Kondition wird bei langen Sprints nicht mit einem konditionierten Hund mitkommen bzw. schneller aufgeben oder um einiges langsamer ankommen. Er wird danach auch eher KO sein.

Aber was passiert nun, wenn man unter Berücksichtigung der oben genannten Punkte seinen Hund zum reinen Couchpotato erklärt?

Erstmal das, was uns zuerst in den Kopf schießt. Der Hund kann sein Verhalten ändern. Unterforderte Hunde sind oft laut, aggressiv, zerstören gern um ihre Energie loszuwerden oder lassen ggf. ihre rassetypischen Eigenschaften raus die nicht sooo gern gesehen werden. Ein Kinder hütender Hütehund, der in Waden zwickt, ist nicht das, was sich Besitzer wünschen. Ein Schäferhund, der die Wohnung bewacht, den ganzen Tag Patrouille läuft und keinen rein lässt, ebenfalls nicht. Diese Liste lässt sich vermutlich über alle Rassen ausführen. Und Mischlinge können da ein Feuerwerk von Überraschungseigenschaften abschießen. Das solche Hunde keine Bewegung brauchen, weil sie es ja nicht kennen, ist ein Irrtum. Der Bewegungsdrang der im Hund vorhanden ist, wird ja nur unterdrückt und ggf. mit Fehlverhalten kompensiert.

Ein oft unterschätzer Aspekt der Bewegungslosigkeit sind die Körperlichen. Der Gängigste unter den körperlichen Folgen ist Übergewicht. Ganz klar, dem Hund wird übers Futter Energie zugeführt und wenn diese nicht verwertet wird, verwandelt sich die Energie in Fett. So kann es sich schon bei normaler Futtermenge und wenig Bewegung bemerkbar machen. Was das für den Bewegungsapparat heißt muss ich vermutlich nicht weiter ausführen. Es ist wie bei uns - Gelenke werden mehr beansprucht, die Luft wird weniger, das Herz kann probleme machen und Diabetis kann drohen.

Eine weitere Folge von Bewegungsmangel sind Verdauungsstörungen und Stoffwechselstörungen. Klingt nun doof. Aber selbst für das Häufchen braucht es einen gesunden Magen mit Muskeln die dafür sorgen das alles zum Ausgang gelangt. Durch Bewegung wird die Durchblutung angekurbelt und Sauerstoff in den Körper geführt.

Das Herz, ist wie wir wissen ein Muskel. Ohne Bewegung, wird das Herz weniger beansprucht und verliert an Leistungsfähigkeit.

Der Bewegungsapparrat ist ein Zusammenspiel aus Knochen, Sehnen, Gelenken, Muskeln und Nerven. Um zu funktionieren braucht es eine Gewisse Pflege. Das richtige Gewicht sorgt für eine Ausgeglichenheit des Zusammenspiels der körperlichen Komponenten. Regelmäßige Bewegung sorgt dafür, dass der Körper Gelenkschmiere produziert. Es passt sich quasi der Aktivität an. Knorpel umschließt die Gelenkenden und schützt. Ulrike Eckert schreibt auf ihrer Seite dazu
"Ernährt wird der Knorpel durch die zähe Gelenkschmiere, die von den Zellen der Gelenkkapsel gebildet wird. Es ist ein passiver Vorgang: nur bei Bewegung wird der Knorpel mechanisch massiert und mit Nährstoffen versorgt. Bei Entzündungen wird nicht mehr diese Zähe Gelenkschmiere gebildet, sondern eine dünne, wässrige. Dann reißt der Schmierfilm über dem Knorpel, und der Knorpel wird geschädigt."(Quelle). Athrose kann drohen.
Somit hält Bewegung die  Muskeln und Gelenke fit und ist eine wichtige Vorsorge für Gelenkserkrankungen. Vor harten Sprints und Sport sollte ein Hund ausserdem aufgewärmt sein. Dazu bin ich HIER schoneinmal eingegangen.
Der Knochen wird weniger beansprucht und baut immer dort mehr Substanz auf, wo er eine Zugbelastung durch die Muskeln bekommt.
Wie bei anderen Sportlern auch, ist es eben so, dass bei Inaktivität die Muskeln abgebaut werden. Also wenig Bewegung zieht Muskelabbau und Fettaufbau einher und somit wieder mehr Belastung für Knochen und Gelenke. Die Folge dessen sind Schmerzen. Gerade dann kann es im Bewegungsapparat zu Auffälligkeiten kommen. Besonders dort gehen viele dazu über, den eh schon unterbewegten Hund zu schonen. Stattdessen wäre eine kontrollierte Bewegung mit professioneller Hilfe der richtige Weg.
Aber wer spaziert schon zu einem Spezialisten und gibt zu das er meint, dass der Hund kaum Auslauf  und Bewegung braucht?

Die andere Seite der Medaille wäre die Überbelastung. Auch die Überbelastung und Überforderung ist nicht der richtige Weg. Vorallem bei Junghunden, die oft energetisch und übermütig sind, gilt - weniger ist mehr! Stoppen, auch wenn es nach riesem Spaß aussieht, wenn der junge Knochenapparrat stundenlang tobt und springt. Bei allen anderen ist Beobachten angesagt. Joy würde zB. nie zeigen das sie nicht mehr kann und laufen bis zum Umfallen. So muss man manchmal eben bremsen oder ggf verzichten. Erinnert ihr euch da noch an meine abgebrochene Wandertour weil ich es zu warm fand? Auch wenn ich noch konnte und meine Hunde es durchgezogen hätten - es muss nicht sein. Genauso wie ich meinen Hund nicht sieben Tage die Woche Frisbees jagen lassen muss. "Zuviel" sollte heute aber auch nicht mein Thema sein.
Für alles gibt es das richtige und gesunde Maß. Man muss es für sich und seinen Status eben finden.








Quellen:
https://vtg-tiergesundheit.de/Hund/Blog/Warum-Bewegung-so-wichtig-ist
http://www.einfachtierisch.de/hunde/hunde-gesundheit/ursachen-fuer-uebergewicht-beim-hund-warum-ist-er-zu-dick-id33355/
http://www.fraenzis-hundeparadies.ch/diverses/180-wieviel-bewegung-braucht-mein-hund.html
https://tier-natur-praxis.de/arthrose-hund.html

Kommentare:

  1. Ich hoffe, dass Dir die Messe gefallen hat. Wir waren etwas enttäuscht....

    Die Frage nach der Bewegung ist immer schwierig. Wir versuchen Socke viel Bewegung zu geben, weil wir glauben, dass dies immer besser ist.... Bewegung hält Hunde mobil, agil und entspricht ihrer Natur. Aber der Alltag, Sockes Befinden und das Wetter sehen das oft anders. Daher folgt nach einem ruhigen Tsg immer etwas mehr Bewegung....

    Wir sind hier aber schon eifrige Gassigehen, wenn ich so manche Hunde aus der Nachbarschaft sehe......

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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    1. Ich sag mal so. Ich hatte für die Messe ansich nicht soooo viel Zeit. Die hätte ich aber auch nicht gebraucht, anfürsich wenn man nicht das ganze Programm anschaut ist man eben flott durch. Aber ich hatte diesmal viel drumrum. Schade, aber letztes Jahr hatte es euch gefallen oder hab ich das falsch in Erinnerung?

      Ja, genau. Solche Leute animieren mich mit solchen Themen zu befasse. Ich hab leider sehr viel solche Nachbarschaft
      lg

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  2. Kleine Hunde, auch Gesellschaftshunde brauchen genauso ihre Bewegung wie andere Hunde. Ich finde es schön, dass das hier erwähnt wird. Wenn ich mit meinen Hunden wandern gehe, dann werden sie teilweise bemitleidet, weil sie so weit laufen müssen. Ich denke nicht, dass ich meine Hunde damit überfordere, denn sie sind mit Spaß dabei und ich kenn die Beiden gut genug um zu wissen was ich ihnen zumuten kann und was nicht.
    Für uns hat sich ehrlich gesagt bewährt, dass wir zwei Mal am Tag größere Runden von ca. einer Stunde gehen und den Rest machen wir noch zwei kleine Pipirunden.
    Liebe Grüße
    Auenländerin




















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    1. Ohje, sowas hab ich auch noch nicht gehört. Ich finde grade wandern für Hunde ein Traum. Ich mein man macht das ja nicht 365 Tage im Jahr den ganzen Tag. Sondern meist Intervallweise. Das kann dir gut links rein und rechts raus gehen.
      lg Becki, die sich auf die nächste Wanderung mit Hund freut

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  3. Wir haben schon oft gemerkt, dass es keine Regeln dafür gibt. Unsere Hunde hatten / haben oft ganz unterschiedlichen Bewegungsbedürfnisse. Mal abgesehen vom Alter, der Größe und der Konstitution.
    Wir merken auch die Veränderung der Jahreszeiten, der Temperaturen und manchmal einfach nur der Launen. Es gibt jetzt Tage, da können Beide Hunde stundenlang spazieren und toben dann noch durch Garten oder Innenhof ... und zwei Tage später wollen sie nur kurze Runden laufen und auch an wildes Spiele ist dann nicht zu denken.
    Wichtig ist, dass die Hunde die Möglichkeit haben sich zu bewegen - und auch die Möglichkeit etwas fauler zu sein ;)

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

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    1. Genau, eben das Maß für sich finden. Aber mir war schon recht klar, das meine Leser sich eher nicht angesprochen fühlen müssen. ;-)
      lg

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  4. Toller Beitrag.Finde auch das Auslaufen generell wichtig ist unabhängig von der Art des Tieres.Waren zum Beispiel letztens in einem Hotel Seiser Alm und unsere kleine ist gerannt und hat getobt wie sonst nie, weil sie einfach in der Umgebung die perfekten Möglichkeiten dazu hatte.LG Frida

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